Schon wieder Zuwachs

Meine lieben Leute,

wir haben den Sommer über Wochen versucht, günstig an Hühner zu kommen, jetzt kommen uns die Angebote nur so zugeflogen. So haben wir 5 weitere Zweibeiner zu uns geholt. Jemand hat seine Hühnerzucht aufgegeben und so fanden 5 weitere Hühner bei uns Platz. Unter den 5 Hühnern hat sich ein Hahn eingeschlichen, da beim Einpacken leider nicht darauf geachtet wurde, dass nur Hennen den Weg zu uns finden. Da wir aber sowieso später mal einen haben wollten, hat sich das jetzt erledigt und wir besitzen einen. Der Bestand ist nun also, 7 Hennen, 1 Hahn und 5 Laufenten.

Damit das ganze Viehzeugs auch Platz findet, haben wir einen alten Wohnwagen umgebaut, in dem alle Platz zum chillen haben. Es hat jetzt zwar einige Tage gedauert bis alle die neue Bleibe gefunden und akzeptiert haben, mittlerweile brauchen wir aber keine 3 Leute mehr um die Zweibeiner in den Stall zu bekommen. Zur Zeit sind sich die Hühner aber nicht so ganz einig wer die Hackordnung anführt und so sieht man immer mal wieder ein bischen Unruhe. Diese Unruhe wird mittlerweile aber zunehmend weniger. Wir machen jeden Tag neue Beobachtungen und lernen die Hühner zu verstehen und interpretieren das Verhalten. Eine sehr spannende Phase und falls jemand mal Hühner halten möchte, empfehlen wir folgende Seite um die Basics zu lernen: http://www.gefluegelhof-schubert.de/html/geflugelinfo.html

Nach diesem Leitfaden halten wir unsere Hühner, in der Hoffnung, dass sich alle bei uns wohlfühlen, denn das ist ja das Ziel der ganzen Geschichte!

Da die Saison jetzt fast rum ist, ist es vielleicht einmal Zeit, ein kleines Resümee zu ziehen. Wir haben uns vor der Saison vorgenommen, effektiver zu arbeiten und vor allem die Infrastruktur zu verbessern, um leichter arbeiten zu können. Außerdem wollten wir gerne Viehzeugs haben, Strom generieren können und trockene Unterstellflächen haben. Vieles davon haben wir realisieren können. Als größte Errungenschaft kann man den Folientunnel nennen, da dieser uns eine Menge Vorteile gibt. Wir haben dort sowohl trockene Unterstellflächen und vor allem 50m² überdachte und windgeschützte Anbaufläche. Dies hat uns enorm bei der Anzucht von Jungpflanzen geholfen, da wir ja noch ein riesiges Problem mit Schnecken hatten am Anfang des Jahres. Wir konnten also in Ruhe Pflanzen anziehen, ohne dass uns alles direkt wieder weggefressen wurde. Daher konnten wir den Ertrag deutlich erhöhen im Vergleich zum Vorjahr und vor allem Salate und Tomaten konnten wir deutlich mehr produzieren. Auch die Vielfalt ist gestiegen, durch freundliche Subventionen in Form von Jungpflanzen aus einem nahe gelegenen Gartencenter und Bekannte, die mit uns Pflanzen getauscht haben. Wir haben also einige Sorten Tomaten, Gurke, endlich Erdbeeren, einige Kohlsorten, Kürbis und was weiß ich nicht alles mal ausprobieren können. Ich muss zugeben, wir haben so viel versucht und angebaut, mir fällt es schwer da jetzt noch alles zu benennen. In dieser Hinsicht haben wir uns auf jeden Fall deutlich gesteigert und konnten reichlich Erfahrungen sammeln.

Das größte Problem beim Anbauen von Gemüse bestand in der massiven Schneckenplage die uns fast das ganze Jahr über beherrschte. Es war nahezu unmöglich im Freiland etwas auszusäen oder Jungpflanzen auszusetzen, da alles in Rekordzeit zunichte gemacht wurde. Wir haben teilweise innerhalb von 15 Minuten über 3kg Schnecken eingesammelt, ohne groß danach zu suchen. Wir suchten nach einer Lösung und haben uns dazu entschieden, dann mit der Viehzucht anzufangen. Erst orderten wir uns Hühner, da diese den Ruf hatten, Schnecken zu fressen. Allerdings brachten die Hühner nicht das gewünschte Ergebnis, daher haben wir uns noch Laufenten gegönnt. Der Effekt war dann deutlich sichtbar, nach wenigen Wochen oder eher Tagen, war kaum noch eine Spur von einer Schnecke zu sehen. Wir haben selten gesehen, dass eine Ente mal Schnecken verspeist hat, aber wir haben seit 2 Monaten keine einzige Schnecke mehr auf unserem Grundstück gesehen. Leider war die Saison dann schon ziemlich rum und wir konnten einiges an Gemüse nicht mehr nachsäen aufgrund der klimatischen Bedingungen. Trotzdem haben wir jetzt für das nächste Jahr vorgesorgt und brauchen uns über Schnecken wohl keine Sorgen mehr machen.

Strom konnten wir bis dato aufgrund der Finanzlage leider noch nicht ganz ins Haus holen, allerdings haben wir immerhin den Folientunnel mit einem Lüfter ausstatten können, welcher mit einer kleinen Photovoltaikanlage betrieben wird. Wenn die Sonne scheint, wird der Folientunnel automatisch mit Luft durchströmt, damit ein pflanzenfreundliches Klima erzeugt wird. Ohne Lüftung hat man da nämlich innerhalb von Minuten gerne mal 70°C erreicht (und das im Mai!). Ziel für das nächste Jahr ist dann eine funktionierende Photovoltaikanlage um Pumpen zu betreiben, Licht im Garten zu haben und um Mal ein Handy laden zu können oder Musik zu hören. Einen Generator ständig zu betreiben ist nämlich vor allem unwirtschaftlich und umständlich. Der nächste Schritt in Richtung Selbstversorgung ist also eine unabhängige Stromversorgung. Noch dazu möchten wir gerne Trinkwasser in unserem Garten haben, da wir das Wasser bisher immer umständlich von zu Hause mitbringen mussten. Da wir fast immer mit dem Rad unterwegs sind, könnt ihr euch vorstellen, dass das auf Dauer nervig wird und viel Arbeitet bedeutet. Ein 3-Wege Aktivkohlefilter ist also auch noch auf der To-Buy-Liste, damit wir das vorhandene Regenwasser für uns nutzen können.

Diese Dinge dienen dann vor allem dafür, dass wir effektiver arbeiten und wir genügend Zeit haben, um uns auf den Gemüseanbau konzentrieren zu können. Sehr viel Zeit ging dafür drauf, die fehlende Infrastruktur notdürftig zu ersetzen mit umständlichem Organisieren von allen möglichen wichtigen Dingen. Dies möchten wir im nächsten Jahr deutlich besser machen.

Da wir außerdem in diesem Jahr sehr sehr viel anderes um die Ohren hatten, ist es besonders wichtig, dass wir diese Punkte angehen, da die Zeit auch im nächsten Jahr vermutlich knapp sein wird. Fast alle Mitglieder haben sich in diesem Jahr beruflich umorientiert, mit dem Blickwinkel darauf, dass wir Zeit für den Garten finden. Allerdings ist in dieser Umschwungphase, auch vor allem bei unserem Küchen-Guerilla-Projekt, sehr viel Zeit für anderes drauf gegangen. Außerdem mal als kleines Beispiel, seit März sind wir ungefähr täglich 1x mit dem Rad in den Garten gefahren, teilweise sogar öfters wegen den Hühnern, die wir morgens auf und abends zumachen. Durchschnittlich haben funky und ich, die uns diese Arbeit teilen, beide etwa 1000km mit dem Rad zurückgelegt. Dies entspricht zusammen einer Strecke von Unna nach Warschau, hin und zurück.

Im nächsten Jahr möchten wir also vor allem noch mehr die Infrastruktur verbessern und dadurch unsere Effektivität steigern. In einem Jahr werden wir dann sehen, wie weit wir mit diesem Vorhaben gekommen sind! Bis dahin freuen wir uns weiter auf Eure Unterstützung und Eure Anwesenheit im Garten. Der Garten ist und soll ein Ort sein, in dem Leben tobt und wo viel gemacht, geträumt und auch sich erholt wird. Die Forschungsstation für freies Leben freut sich also auf eine weitere Saison mit allem drum und dran!

Nachfolgend noch ein paar Bilder von heute, mit unseren neuen Chickens!

Euer Guerilla-Team mit chaotischen Grüßen